Thiemo Lux (HEXADAR):”Es mangelt nicht am Willen, sondern am Geld!”
Nachdem das letzte Interview mit HEXADAR zu erschwerten Bedingungen, unvorbereitet und nicht ganz nüchtern, stattfand, wurde beschlossen sich noch ein weiteres Mal auf einen kleinen Plausch zu treffen. So traf man sich also nüchtern und vorbereitet bei der EISREGEN-Rostrot-Tour, die HEXADAR in Hamburg eröffnen durften.
METAL4HAMBURG: Moin! Was waren eure ersten bewussten Erfahrungen mit Musik und wann habt ihr mit eurem Instrument angefangen?
Thiemo:Angefangen zu singen habe ich ungefähr 2006, auf growlen und kreischen bin ich dann 2007/2008 gekommen. Erste Erfahrung mit Musik... Musik begleitet einen ja ein Leben lang und natürlich wechselt man zwischendurch den Musikgeschmack. Als Kind hört man eher Kinderlieder und das, was halt so in den Charts ist, und wenn man dann älter wird, lernt man halt neue Leute kennen und durch die auch neue Musik und so entwickelt sich das dann.
Peter: Ich hab mit Schlagzeug angefangen, da war ich noch so ein kleiner Bubi. Eigentlich habe ich auch auf Kochtöpfen angefangen und hatte dann im Kindergarten mein erstes richtiges Kit und das wurde halt mit der Zeit immer größer und so wie ich es halt haben wollte. Eigentlich habe ich mir den ganzen Kram selber beigebracht. Musik, ja, früher habe ich halt den ganzen Scheiß gehört, den man halt als kleines Kind gehört hat.
Hexadar
METAL4HAMBURG: Rolf Zuckowski!!!
P: Ja, ganz genau sowas. Zum Metal bin ich halt auf dem ganz normalen Weg gekommen: LINKIN PARK, SLIPKNOT, KORN und dann wurde es immer krasser und ging in alle möglichen Richtungen und heute höre ich nicht nur Metal sondern auch alles Mögliche andere.
Hexadar
METAL4HAMBURG: Pagan Metal wird ja oft als Trend abgetan, was bedeutet das Genre über die Musik hinaus noch für euch?
P: Metal ist ein Lebensstil, der auf jeden Fall Individualität, Freiheit und Freigeist symbolisiert, sich von der Norm abhebt, auf das ganze System und die ganze Angepasstheit scheißt. Das ist einfach geil. Natürlich gibt es im Metal auch so einige Gruppen, die denken, sie wären Gott und sind so cool, dass sie über einem stehen, das ist natürlich auch Schwachsinn. Ich denke, im Metal sollte jeder toleriert werden und ansonsten ist das eine super Subkultur, wie eine große Familie halt.
T: Du hast ja jetzt aber konkret Pagan Metal angesprochen. Wir wollen uns eigentlich nicht in eine Schublade stecken lassen. Wie gesagt, wir hören auch sämtliche Musik, ich bin auch für alles offen und da gibt es natürlich auch viele verschiedene Einflüsse. Unsere Musik soll nicht nur als Pagan Metal definiert werden, sondern grob gesagt spielen wir einfach nur Metal, durch das Akkordeon kann man uns am ehesten noch dem Folk Metal zuordnen.
Hexadar
METAL4HAMBURG: Ihr habt jetzt euer erstes Album aufgenommen, wie war die Studioerfahrung für euch? Hat es euch Spaß gemacht, oder war es eher ein notwendiges Übel nach dem Motto:"Öhm, wir müssen jetzt mal ein Album aufnehmen..."?
T: Studio kann man jetzt nicht wirklich sagen... Wir waren bei unserem Gitarristen, natürlich schon mit professionellem Equipment und so weiter. Das hört man auch auf der Aufnahme (lacht). Wir hatten irgendwann so viele Lieder, dass wir uns dachten, dass wir schon mal eine CD aufnehmen müssen. Es geht uns mehr darum, live zu spielen und den Leuten was zu bieten und die CD "mussten" wir halt irgendwann mal aufnehmen, weil wir immer gefragt wurden, ob wir denn jetzt eine CD haben.
P: Jo, das war halt mal fällig.
Hexadar
METAL4HAMBURG: Zu einem Album gehört natürlich auch immer mehr als nur Musik. Von wem ist das Artwork und wer schreibt bei euch die Texte?
T: Das Cover hat unser Gitarrist Basti gemacht, genau wie das komplette Artwork, der hat es halt drauf mit Photoshop und dem ganzen Kram. Die Texte werden von mir geschrieben und... was war die Frage nochmal? (lacht)
Hexadar
METAL4HAMBURG: Öhm, also eigentlich hast du schon alles beantwortet. Nächste Frage: Die CD Verkäufe gehen ja immer weiter zurück, kauft ihr selbst noch Alben?
P: Ja, ab und an kauf ich natürlich schon eine CD, aber inzwischen kaufe ich lieber LPs. Aber die CD ist halt zurzeit noch das umfangreichste Medium für Musik und bei einer CD hast du halt immer noch ein Booklet dabei und das hat alles Hand und Fuß. Wobei es mittlerweile zu viel geile Mucke gibt, um immer die CDs zu kaufen, die man gerade möchte. Aber eine reelle CD in der Hand zu halten, mit allem drum und dran, ist viel geiler als sich MP3s bei iTunes zu kaufen.
T: Es mangelt nicht an dem Willen, sondern am Geld! (lacht)
Hexadar
METAL4HAMBURG: Nächster Punkt, passt sogar dazu. Was haltet ihr denn von Filesharing? Wenn man zum Beispiel gerade mal nicht die Kohle hat, sich die Alben zu kaufen. Ist das dann ein guter Ersatz oder lehnt ihr das komplett ab?
METAL4HAMBURG: Ihr braucht euch mit eurer Aussage nicht strafbar machen!
T: (lacht) Das ist immer so eine Sache... Es wäre gelogen, wenn irgendjemand sagt, er hat noch nie irgendwas illegal runtergeladen Das kann keiner sagen, das kann selbst ein Staatsanwalt nicht sagen, selbst so einer hat das garantiert schon mal gemacht! Ich finde es gut, weil sich die Musik dadurch ziemlich schnell verbreitet und man dadurch mehr Fans gewinnt.
P: Ich kann mich da nur anschließen. Selbst wenn du die Musik kaufst, kriegt die Band leider immer nur einen kleinen Teil davon ab. Und wenn du dir die Musik ziehst, dann kannst du sie auch hören. Hauptsache ist eigentlich, dass du dann nachher auf die Konzerte gehst, denn da verdienen die Bands einfach am meisten dran und dann unterstützt du die Musik auch wirklich. Aber natürlich ist es scheiße, da dadurch die ganze Industrie pleitegeht und es dann vielleicht bald gar keine CDs mehr gibt und das wollen wir natürlich auch alle nicht.
Hexadar
METAL4HAMBURG: Bis auf sehr große Labels wie z.B. Nuclear Blast gehen ja regelmäßig Labels pleite, haltet ihr Labels heutzutage überhaupt noch für notwendig oder geht es auch ohne?
T: Also ich denke, dass Labels schon irgendwo notwendig sind, das Problem ist nur, dass die ganzen kleinen Labels nicht genug Geld haben, um den Vertrieb selbst zu machen und deswegen gehen sie zu solchen Distributors, wie z.B. Twilight, die dann halt dafür sorgen, dass ihre ganzen CDs auch bei Media Markt und Konsorten landen. Das Label hat gar nicht die Möglichkeit, das selbst dort reinzubringen, deshalb ist es jetzt besonders schade, dass Twilight pleitegegangen ist. Die großen Labels, die haben die Kohle, die schieben den Künstlern ja auch Werbung in den Arsch und gerade für so etwas sind Labels wichtig, wie will man denn selbst vernünftige Promotion machen?
P: Das wäre alleine gar nicht möglich, weil man als Künstler einfach zu wenig Geld hat und die Plattenfirma das für einen übernimmt, das ist halt der Vorteil daran. Aber es ist natürlich schade, dass so viele Labels pleitegehen. Vor allem passiert das ja auch wegen der Großen wie Nuclear Blast, da die eben die kleinen Bands nicht nehmen und damit stirbt eventuell auch eine Subkultur im Metal aus, dass irgendwelche unbekannten Bands, die vorher ein Label hatten, einfach wieder brach liegen und man sie gar nicht mehr kennenlernen kann.
Hexadar
METAL4HAMBURG: Was halten eigentlich eure Familien von dem, was ihr mit HEXADAR treibt? Ich weiß ja, von Thiemos Vater, dass er immer dabei ist und beim Heathen Rock auch den Auftritt gefilmt hat, aber was sagen die anderen noch so dazu?
T: Die unterstützen uns alle, mehr kann man da eigentlich gar nicht zu sagen.
P: Ja, meine Mutter unterstützt uns auch, die hat heute auch ganz viel Equipment gefahren und die hilft auch, wo sie kann. Ja, gerade für einen Schlagzeuger ist das recht wichtig. Auch geldtechnisch, das kann man ja gar nicht alles auf einmal bezahlen, ich habe da einen Kredit aufgenommen, für den sie halt bürgt. Und das ist wirklich bei allen Eltern so, dass sie uns unterstützen, wo es nur geht.
T: Ich kann mich an maximal drei Auftritte in unserer kompletten...ähm…
P: KARRIERE!
T: Ja, Karriere erinnern, kann man so sagen, wo unsere Eltern nicht da waren. Das waren dann wirklich Auftritte, wo wir irgendwo auswärts gespielt haben, in Coburg, auf dem Wolfszeit und der eine Gig in Polen. Aber normalerweise spielen wir ja hier irgendwo in der Umgebung und dann sind eigentlich alle da.
P: Selbst zum Barther fahren sie alle mit. Das ist einfach unheimlich cool, dass man so eine Einheit im Rücken hat, die einen unterstützt. Das sind zum Einen unsere Eltern, aber natürlich auch alle unsere anderen Fans, die uns auch hinterher reisen. Alleine heute Abend sind auch zehn Leute aus Rostock hier, die, sagen wir mal, hauptsächlich wegen uns da sind. Sowas ist einfach genial.
Hexadar
METAL4HAMBURG: Wo würdet ihr gerne mal spielen und wen würdet ihr gerne mal treffen?
P: Also ich persönlich würde das Metalcamp geil finden, weil es einfach eine super Location ist. Aber Wacken wäre natürlich auch geil, reicht auch schon, wenn wir im Zelt spielen, aber das sind so Adressen, wo man einfach gerne mal sein würde. Und treffen: Vielleicht den Drummer von LAMB OF GOD oder die komplette Sippe von KREATOR, mit denen würde ich gerne mal quatschen. Aber selbst die, die wir bisher schon getroffen haben, das war schon lustig genug. Es ist immer lustig, mit Bands über das Tourleben etc. zu quatschen.
T: Bei Metalcamp und Wacken würde ich mich auch anschließen. Scheißegal ob Mainstage oder kleines Pisszelt oder was weiß ich. Es geht halt hauptsächlich um das Spielen und man nimmt alles an, was man kriegen kann. Wen ich mal treffen würde... Ich kenne inzwischen so viele Musiker, das ist ziemlich schwierig, aber ich denke, sich mit Hoest von TAAKE zu unterhalten, wäre bestimmt ziemlich cool.
Hexadar
METAL4HAMBURG: Letzte Frage! Achtung, ganz wichtig! Was ist euer liebstes alkoholisches Getränk?
P: Havanna, sieben Jahre alt, mit Cola!
T: Was trinke ich denn am häufigsten...
Hexadar
METAL4HAMBURG: Nein, nicht am häufigsten, am liebsten!
T: Ich glaube, was ich gerne trinke, ist Captain-Cola, aber unser absolutes Bandgetränk ist eigentlich Jägermeister mit Energy Drink, also Flying Hirsch.
P: Ultimativ!
Hexadar
METAL4HAMBURG: Danke für das Interview, macht es gut!
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