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26.11.11: AFM-Festival, Markthalle Hamburg

29. Dez. 2011 | von

Dong Open Air

Hoch die Gläser, hoch die Hörner – das Hamburger Label AFM Records wird 15 Jahre alt! Dieses Jubiläum muss natürlich ausgiebig gefeiert werden und wie ginge das besser als mit einem Festival? Richtig – gar nicht! Natürlich dreht sich alles um die Zahl 15 und die Gründung: So spielen 15 Bands in den beiden Sälen der Markthalle (plus MarX), ein Ticket kostet im Vorverkauf 19,96 Euro in Anlehnung an das Gründungsjahr 1996. Doch dessen nicht genug! Als Bonus gibt’s obendrein noch einen 3-CD-Sampler mit Liedern aus 15 Jahren AFM Records. Kein Wunder, dass die Markthalle da aus allen Nähten platzt!

Buried-in-BlackEröffnen dürfen die Lokalmatadoren BURIED IN BLACK um 16:15 Uhr (wenigstens eine 15!) im MarX. Sänger Ron Brunke verkündet: “Lasset die Spiele beginnen!” und schon legen die Death-Metaller los. Trotz der frühen Uhrzeit und der zeitgleich laufenden Bundesliga füllt sich das MarX recht schnell. BURIED IN BLACK haben sich allerdings auch in Windeseile einen Namen gemacht, noch dazu kommen sie aus Hamburg; einen besseren Opener kann es also gar nicht geben. Brunke heizt den Anwesenden auch gut ein, den Gegenpol dazu bilden die Headbanger, die für etwas Abkühlung sorgen. Songs wie “One Life Left” kommen bestens an und bringen das MarX auf Betriebstemperatur.

At-VanceIn der Markthalle startet es hingegen rockig: AT VANCE spielen Power Metal mit einer gehörigen Rock-Schlagseite. Die Musik lebt hauptsächlich von Sänger Rick Altzis starker Stimme, die auch ruhigere Nummern wie “Evil In You” veredelt. Im Saal ist derweil mehr los als bei manchem Headliner und die Fans grölen mit. Da lohnt es sich doch, Werbung fürs kommende Album zu machen! Mit “Fallen Angel” bringen sie eine weitere starke Nummer und sorgen dafür, dass es auch im großen Raum kuschelig warm wird. Streckenweise erinnern AT VANCE an STRATOVARIUS – kein Wunder also, dass sie zwei Generationen vereinen.

Der aufkommenden Hitze versuchen nun BYFROST im MarXByfrost entgegenzuwirken. Sie blasten den vermeintlich kleinen Raum und sind vor allem eines: laut. Mit “Eye For An Eye” zeigen die Norweger, wo der Hammer hängt. Eine düstere Atmosphäre breitet sich aus und die Headbanger vorne legen gut los. Doch so richtig Stimmung will nicht aufkommen. Den Meisten ist nach Feiern zumute, da passt der Black’n'Roll von BYFROST nicht so ganz ins Konzept.

Die Power-Metaller MOB RULES können da schon eher Blumentöpfe gewinnen. Doch die Zuschauer lassen im Mittelteil viel Platz und stellen sich lieber auf die erhöhten Seiten der Markthalle. Vor “Trial In Fire” hält Sänger Klaus Dirks eine kurze Ansprache und die Fans klatschen mit, so richtig will der Funke dann aber doch nicht überspringen. Ganz langsam tauen die Zuschauer wieder aus ihrer BYFROST-Starre auf, was die Band große Anstrengung kostet. Doch am Ende erreicht die Stimmung doch wieder ihren Pegel.

Mob-Rules

Bei THE NEW BLACK im MarX ist zunächst nicht viel los. Das Country-Intro bekommen also nicht viele mit, geklatscht wird trotzdem. Dennoch bleibt die Stimmung verhalten, obwohl die Mischung aus Rock und Metal durchaus tanzbar ist. Das merken langsam auch diejenigen, die gerade noch bei MOB RULES vor der Bühne standen: Die Menge verdichtet sich und die Ersten gehen ab. Sänger Markus Hammer zitiert bei seinen Ansagen häufig aus der niederländischen TV-Serie New Kids – da bricht schließlich das Eis und die Band freut sich sichtlich über das gelockerte Publikum.

Kissin-DynamiteIn der Markthalle machen sich derweil die TOKIO HOTEL des Sleaze Rock bereit: Bei KISSIN’ DYNAMITE sind Sänger Johannes Braun und Gitarrist Jim Müller extrem aufgestylt, wobei Braun mit seiner schrillen Frisur einen sehr femininen Touch hat. Wie es sich für Rocker gehört, gehen die rund 20-Jährigen gut ab und flitzen über die Bühne. Die Reutlinger haben in Hamburg schon einen Namen und viele im Publikum können mitsingen. Die jungen Musiker genießen den Applaus und heizen die Zuschauer weiter an. Wer jetzt noch nicht die Hüfte schwingt, ist auf der falschen Veranstaltung.

Ähnlich aufgedonnert aber mit echter Weiblichkeit geht’s mit CRYSTAL VIPER weiter. Zu einem epischen Intro entern die Polen – gekleidet in schwarz und Leder – die Bühne und stehen vor einem gut gefüllten MarX. Der Bass hämmert mächtig, sodass die Zuschauer gar nicht anders können als mitzuklatschen. Die Gitarrensoli laden zum Luftgitarre-Spielen ein, dabei kommt vor allem “Gladiator, Die By The Blade” gut weg. Als großes Highlight spielt Sängerin und Gitarristin Marta Gabriel ein Solo mit Drumstick. Anschließend muss sie allerdings die Gitarre wechseln.

Voodoo-CircleVOODOO CIRCLE lassen die Bühne einnebeln. Trotz mitreißender Riffs bleibt das Publikum unbeweglich und auch die Musiker blicken ernst drein, obwohl der Gitarrensound eine leichte Hippie-Schlagseite hat. Auch der Applaus fällt mager aus.

Das Intro sparen sich BLACK MESSIAH, dafür sparen sie nicht an Accessoires: posige Lederarmschienen, Thors Hammer und Pelz. Ihre Fans haben die Pagan-Metaller gut im Griff – auf ein Kommando des Sängers Zagan gehen alle Arme in die Luft. Und zum ersten Mal an diesem Nachmittag entsteht ansatzweise ein Mosh Pit. Der Sound ist gut abgemischt, denn die Geige setzt sich gut gegen die restlichen Instrumente durch. Allerdings klingen die Flötentöne aus der Halbkonserve (Keyboard) sehr künstlich. Bei “Söldnerschwein” tanzen und pogen die Zuschauer und grölen mit. Die bislang beste Party des Festivals.

Während LAKE OF TEARS das MarX bespielen, gibt es bei ORDEN OGAN eine Premiere: Es ist der erste Auftritt des neuen Schlagzeugers. Mit “World Of Orden-OganIce” bringen die Power-Folker auch gleich eine neue Nummer des im Februar erscheinenden Albums. Vor der Bühne hat sich nur eine kleine Fanschar versammelt, die übrigen Zuschauer halten sich im hinteren Drittel der Markthalle auf. Doch die treuen Anhänger singen gern mit und nehmen den Neuen an den Drums nach einem exzellenten Schlagzeugsolo in die ORDEN OGAN-Familie auf. Bei “We Are Pirates” tobt die Menge, allerdings haben die Arnsberger schon bessere Partys in Hamburg gesehen.

Bei A LIFE DIVIDED kommt es zur ersten langen Verzögerung. Die Band ist ein hartes Kontrastprogramm zu ORDEN OGAN, sind die Melodien doch rockig und ruhig. Vielleicht zu ruhig, denn im dunklen MarX ist nur wenig Publikum. Die Songs sind durchzogen von elektronischen, fast schon industriellen Parts. Immerhin rund zehn Fans machen vorne ein bisschen Stimmung bei “Already Dead” und Co.

Im großen Saal spielt derweil der Lokalheadliner: Schon als DARK AGE auf die Bühne kommen, bricht Jubel aus. Sänger Eike Freese verkündet, die Band mache gerade eine Studiopause und nimmt ansonsten fleißig auf. Die neue Scheibe soll 2012 erscheinen. Zunächst punkten DARK AGE mit “Black September” und “The Dying Art Of Recreation” ihres 2008er Mega-Albums “Minus Exitus”. Bei Letzterem entsteht in der Mitte ein kleiner Mosh Pit, jedoch Dark-Agehalten sich auch hier viele Fans eher am Rand auf, um besser sehen zu können. Für den Sänger ist es ein besonderer Tag, denn seine ganze Familie schaut beim Auftritt zu. Den wohl bekanntesten DARK AGE-Song “Zero” widmet er seinem Bruder Marco und sogleich wird der Pit in der Mitte größer.

Vom 2004er Werk “Silent Republik” bringen die Hamburger “Daily Combat” und “Last Words”, bei dem die Fans kräftig mitklatschen. Das Highlight zwischendurch ist allerdings “Zeitgeist (Ghost In A Machine)” vom aktuellen Album “Acedia” und das Versprechen, 2012 wieder mehr Konzerte zu spielen. “Suicide Crew” ruft noch einmal die Headbanger auf den Plan, ehe sich DARK AGE wieder ins Studio verabschieden.

Es wird Zeit für den letzten Act im MarX: STAHLMANN müssen jedoch zeitgleich mit U.D.O. spielen, entsprechend dürftig ist der Raum gefüllt. Die silber geschminkten Mannen sorgen dennoch für gute Stimmung und heizen die Menge an. Immer wieder suchen sie den Kontakt zum Publikum, das beherzt versucht, die deutschen Texte mitzusingen.

Doch die wahre Party steigt natürlich beim Großmeister Udo Dirkschneider persönlich. Bei U.D.O. ist es brechend voll in der Markthalle und alle wippen zum Opener und Titelsong des aktuellen Albums “Rev-Raptor” mit. Wie das Album erstrahlt auch die Halle in grün, allerdings blenden die Lichtspielereien häufig sehr unangenehm. Da hilft nur: Kopf runter und headbangen! Das U.D.O.Publikum feiert Hits wie “Thunderball” und “Leatherhead” ab und Udo braucht gar nicht viel zu tun, die Fans fressen ihm aus der Hand. Er hat einfach eine beeindruckende Präsenz, obwohl er kaum redet und sich nicht viel bewegt. Die Posen sitzen aber trotzdem.

Seine Band hält sich schön im Hintergrund, für Soli kommen die einzelnen Akteure aber doch mal nach vorne. Mit der Zeit wird das Strobo-Licht allerdings wirklich nervig, die Fans klatschen im Takt – zusammen erinnert das ein bisschen an einen Industrial-Act. U.D.O. lassen sich gut in Szene setzen und bilden den würdigen Abschluss einer gelungenen Geburtstagsparty. In diesem Sinne auch von uns noch einmal: Alles Gute, AFM Records! Auf die nächsten 15 Jahre im schönen Hamburg.

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Schon ein Kommentar
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  1. [...] Die norddeutschen Power-Metaller stehen stets für eine gute Live-Show, was sie erst beim AFM-Geburtstagsfestival bewiesen [...]

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